Die Deutsche Post hilft.

In Gelsenkirchen und Mülheim hat die Post ein Pilotprojekt gestartet: „Post persönlich“. Persönlich ist daran allerdings nicht viel: Für 40 Euro im Monat klingelt der Postbote bei älteren Menschen, die allein sind und nicht mehr aus dem Haus kommen, einmal am Tag an und fragt durch die Lautsprecheranlage, ob alles OK ist. Wenn nicht, ruft er die Johanniter.

Die Post versucht, ihren neuen Dienst zu vermarkten, indem sie auf das alte Bild des Postboten setzt.
(…)
Um Arbeitsplätze einzusparen, sind von Jahr zu Jahr die Touren der Postboten größer geworden. Da bleibt keine Zeit mehr für ein Pläusch’chen, ja manchmal nicht einmal, um alle Briefe auszuliefern.

Mit „Post persönlich“ kommt noch mehr Stress hinzu. Die Touren werden nämlich nicht kürzer: Denn pro Kunde bekommen die Postboten gerade einmal eine Minute Zeit dafür berechnet:
1 Minute, in der man klingeln, ein älterer Mensch an die Tür kommen, man sich nach seinem Wohlbefinden und seinen Problemen erkundigen und wieder gehen soll!
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Quelle: Das Rote Tuch Nr. 66

Handy-Verbot

In den 29 städtischen Kindergärten gilt jetzt ein Handyverbot für Eltern. Dies wurde auf Wunsch der Kita-Leitungen eingeführt, da Eltern beim Bringen und Abholen ihrer Kinder immer häufiger ein Handy am Ohr hatten.

Dadurch sei es für die Erzieher nicht möglich gewesen, mit den Eltern Probleme und Fragen zu klären, teilt die Stadt mit. Zudem würden die Kinder darunter leiden, wenn ihre Eltern sie wegen eines Telefonats weder vernünftig verabschiedeten noch in Empfang nähmen.

In den Kitas der Stadt weist nun der Aushang „Handy-freie-Zone“ auf das Verbot hin. Dieser Schritt sei nötig geworden, weil viele Eltern so ablenkt seien, dass sie ihre Kinder nicht mehr beim An- und Ausziehen unterstützten und Aushänge in der Kita nicht mehr wahrnehmen würden. Oft erteilten sie ihren Kindern nur noch „kurze Kommandos, stumme Gesten oder Handzeichen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt.

Quelle: https://www.hna.de/lokales/kassel/weil-eltern-telefonierten-handys-staedtischen-kitas-kassel-tabu-3596808.html

Kakerlakenwohnungen

Ein Artikel1 aus der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen (HNA) vom 13. 11. 2013:
Kassel-Bettenhausen. Am Abend hat Thorsten Sülter auf seinem Teppich Klebeband ausgelegt. Am Morgen hingen sie dutzendweise an der Klebefläche – Kakerlaken. „Sie kommen aus allen Ritzen“, sagt Sülter. „Sogar über mein Bett krabbeln die Viecher“.

Seit 1. November wohnt der Hartz-IV-Empfänger in einem Appartement an der Jakobsgasse 10 in Bettenhausen. Die Stadt, genauer die Zentrale Fachstelle für Wohnen, hatte ihm zuvor via Laufzettel die Adresse in die Hand gedrückt. Sülter rief beim Vermieter an und machte einen Mietvertrag klar: 315 Euro warm für 24 Quadratmeter – inklusive der Kakerlaken.

„Doch wusste ich vorher nichts“, sagt Sülter. Er ging zum Gesundheitsamt, Abteilung Wohnungshygiene. Dort traute er seinen Ohren nicht. Es sei bekannt, dass es dort Ungeziefer gebe. Und man rate daher dringend ab, dort einzuziehen.

Für Sülter ein Skandal. „Die Stadt bewirbt wissentlich mit Kakerlaken verseuchte Wohnungen – an sozial Schwache. Als ob dieser Wohnraum gerade gut genug für sie wäre“. Er stehe nicht allein. Auch andere Mieter des Hauses beklagten sich über Ungeziefer in ihren Wohnungen.
Stadt schlug Wohnung mit Kakerlaken vor

Auch dem Vermieter, der seit 1975 die insgesamt 38 Appartements im Haus Jakobsgasse 10 vor allem an sozial Schwache vermietet, ist das Ungeziefer-Problem bekannt. „Wir haben hier seit zwei Jahren Kakerlaken“, sagt er. Betroffen seien aber nur einzelne Appartements. „Irgendwer hat sie halt einmal eingeschleppt. Ich bin aber nicht der einzige Vermieter, der mit Ungeziefer Probleme hat“, sagt er. Etwa vierteljährlich beauftrage er einen Kammerjäger zur Bekämpfung der Insekten.

Auch der Vermieter bestätigt, die Verwaltung wisse um die Kontamination mit Kakerlaken. Die Stadt sagt dazu nichts. Doch gibt sie zu, eine Liste möglicher Vermieter als „Instrument zur Vermeidung von Obdachlosigkeit“ an Betroffene auszugeben. Auch der Vermieter des Hauses Jakobsgasse 10 ist hier vermerkt. „Aber wir vermitteln nicht“, sagt Stadtpressesprecher Ingo Happel-Emrich. Die Besichtigung und Vermietung erfolge ausschließlich über den Mieter und Vermieter.

Dennoch scheint der Stadt der Fall peinlich zu sein: „Sollten wir vermehrt Kenntnis über einen schlechten Zustand eines Wohnraums erhalten, werden wir den entsprechenden Vermieter von der Liste nehmen“, sagt Happel-Emrich. Sülter ist der Meinung, dass das schon längst hätte passieren sollen. Inzwischen ist er aus seiner Kakerlaken-Wohnung in Bettenhausen ausgezogen. Eine Nacht verbrachte er bei der Heilsarmee, dann sprach er erneut bei der Zentralen Fachstelle für Wohnen vor. Und siehe da: Seit gestern hat er ein neues Zimmer, möbliert – und ohne Kakerlaken.

Aufschlußreich auch einige der Kommentare unter dem Artikel:
Ja das kenne ich,musste auch mal paar Monate da wohnen oder besser gesagt hausen.Das ganze Haus ist in einem erbärmlichen Zustand eine Ruine.Mehrmals kommt es dort vor das einem von der Decke Wasser tropft.Der Vermieter kassiert über 300€ und dann muß man auch noch 50 € im Monat Gebühr bezahlen damit man das Bett benutzen darf.!
Die Stadt guckt zu und bezahlt immer weiter,der Vermieter hat in ganz Kassel mehrere Objekte und hat mit der Stadt immer pünktlich seine überzogene Miete.
Auch wird dort immer richtige Chemie versprüht.Das die Stadt Leute so behandelt ist ein Skandal,das sind ja schon Mafia-Verhältnisse.!!!
Das „beste“ ist ja das es für jede Etagge nur 1 Toilette gibt,voll ekelig.
Soll doch mal jemand von der Stadt dort Wohnen.
Leute die in einer Notlage sind werden dort voll ausgebeutet mit Hilfe der Stadt Kassel.
Bin Heilfroh das ich schon seit Jahren dort weg bin !!!!!!

Ein zwar nicht originelles, dafür aber erfolgsträchtiges Geschäftsmodell, SubproletarierInnen, die dringend auf eine Unterkunft angewiesen sind (Wohnungslose, Haftentlassene, ALG II-EmpfängerInnen,…) eine Bruchbude gegen den lokalen Höchstsatz der Kosten der Unterkunft gemäß Sozialgesetzbuch „anzubieten“.
Das Zusammenpferchen von Menschen auf engstem Raum bringt dann auch immer mal wieder „Begleiterscheinungen“ wie z.B. Messerstechereien und ähnliche Vorkommnisse mit sich.

Die im Artikel wiedergegebene Aussage des Vermieters, der Kakerlakenbefall bestehe „seit zwei Jahren“, ist im Übrigen falsch. Der fpd ist bekannt, dass das fragliche Haus bereits im Jahr 2009 einen Bestand dieser Tiere aufwies.

  1. in dem HNA-Online-Artikel finden sich auch Photos des Hauses sowie ein Kakerlakenvideo. [zurück]

Hinweis zum (süd)europäischen Generalstreik am 14. November

Am 14. November findet in mehreren (süd)europäischen Ländern ein gleichzeitiger Generalstreik statt.
Es ist bitter nötig dieses Geschehen, welches hoffentlich nicht nur kontrolliertes Dampfablassen beinhalten, sondern auch ein bruchstückhaftes Bild der potentiellen Macht der Lohnabhängigen zeichnen und entsprechende Erfahrungen ermöglichen wird, hierzulande nach Kräften zu unterstützen.
Realistischerweise werden die Kundgebungen in der Heimstatt des in der Krise hauptprofitierenden Gesamtkapitals wohl vor allem Symbolik1 beinhalten, gleichwohl ruft die fpd auf, zu einer dieser Aktionen zu gehen oder selbst etwas auf die Beine zu stellen.

  1. und sicherlich auch falsche Argumentationen. Deshalb hier noch einmal die Empfehlung von Texten, die sich mit „der Krise“ befassen: G. Sandleben zur sogenannten Finanzkrise und Thesen zur Krise (kosmoprolet)[zurück]

kurze Notiz zu „Sozialer Arbeit“

Der Berufszweig (Leute die im universitären Rahmen dafür bezahlt werden, über solcherlei fragen langwierige und -weilige traktate zu verfassen sprechen auch von einer „Profession“) der Sozialarbeit ist eine widersprüchliche kiste. im subtext schwingt immer die funktion des sozialbullen mit, der dem autoanzünden vorbeugen soll und den „KlientInnen“ die „vorzüge“ der bürgerlichen lohnsklaverei schmackhaft machen1. Auf jeden fall stärkt Soziallohnarbeit das „Prinzip“ der Repräsentation (wo „der Schuh drückt“ und was Wege wären dem abzuhelfen wäre wohl am besten in selbstgewählter Assoziation zu erörtern2).
die andere seite ist, dass sozialarbeit auch sinnvolle funktionen erfüllen kann (z.B. im rahmen von frauenhäusern, hartz 4- und asylberatung oder der Ausgabe sauberer spritzen an HeroinverbraucherInnen) auch wenn ich behaupte es wäre immer noch besser, leute würden sich zu solchen zwecken selbst assoziieren und das gerne dann auch nicht als „teilbereichsaktivität“ verstehen (sinnvoll finde ich zb die derzeitige bewegung von asylbewerberInnen auch als das aufbegehren proletarisierter menschen, als klassenkampf zu verstehen).

Am Freitag gab es einen „Aktionstag Soziale Arbeit“ in Berlin, an dem 1000 Leute teilnahmen, organisiert wurde das vom „Unabhängigen Forum kritische Soziale Arbeit
im Aufruf hieß es:

Zitat

Der Aktionstag Soziale Arbeit richtet sich an alle SozialarbeiterInnen,

die nicht einverstanden sind mit dem gegenwärtigen fortschreitenden Abbau des Sozialen in unserer Gesellschaft,

die nicht bereit sind, sich als Handlanger derer zu verstehen, die Menschen sanktionieren und ausgrenzen,
die sich damit nicht abfinden, dass Soziale Arbeit immer mehr zu einem Geschäft wird, an dem Unternehmen verdienen und Sozialarbeitende und Klienten den Kürzeren ziehen,
die mit den Vorgaben und Begrenzungen, die der Sozialen Arbeit vorgegeben werden, nicht einverstanden sind,
die unter Einstellungsstopp, prekären Verträgen und Arbeitsbedingungen leiden.

Gerade was aus dem zweiten Punkt für Schlüsse gezogen werden (könn(t)en) wäre von Interesse.

  1. womöglich ist die in dieser Reportage eine unrühmliche rolle spielende menschenverwalterin ebenfalls eine Angehörige der sozialarbeiterischen „Profession“ [zurück]
  2. die professionals „wissen das schon“). [zurück]