Lest den „Extra Tip“!

aus aktuellem Anlass ein paar Anmerkungen zur Hauptkampflinie des kasseler Anzeigenblatts „Extra Tip“:

Der “extra tip” hat neben einer kulturellen (veröffentlichung von schnappschüssen aus discos und dem irish pub) auch eine politische blattlinie.
Diese deckt sich in der regel mit den interessen einer kapitalfraktion, welche gleichzeitig das anzeigenblatt –eben durch anzeigen- finanziert, z.b. hotels, supermärkte, die premium-einzelhandelsgeschäfte der innenstadt.
So wie es 2006 gegen den des „aggressiven bettelns“ schuldigen „winnetou“ ging, so geht es heute, unter anderem chefredakteur, gegen säuferInnen und drogenkonsumierende auf dem die stadt repräsentierendem friedrichsplatz (letztes jahr ein photo einer gruppe – nur die augen gepixelt- mit der bildunterschrift „eine person nimmt offensichtlich eine substanz durch die nase ein“ oder so ähnlich, weiß aber nicht mehr ob das hna oder e.t. war -Nachtrag: der konkrete Fall war in der HNA).
Dieses jahr die e.t-headline : „wann macht die stadt endlich mobil?“ (also kriegsvokabular) gegen die friedrichsplatznutzerInnen.

Und weiter dieses Jahr: eine langanhaltende Kampagne in artikeln und kommentaren gegen das mit dem mindestlohngesetz durch arbeitszeitdokumentationspflichten immerhin in manchen fällen einhergegangene offensichtlichwerden von verstößen gegen das arbeitszeitgesetz1 so im tenor: terror-nahles [eine faktisch rechte sozialdemokratin] schickt zöllner mit knarren in die bäckereien und vermiest vollzeit arbeitenden hotelangestellten den zusätzlichen 450 euro-job im selben haus einer kleinen nordhessischen hotelkette, mit dem sie sich z.B. „ihren urlaub finanzieren“.2

und jetzt halt die sogenannte “flüchtlingsproblematik” und das ausschlachten der begleiterscheinungen des zusammenpferchens von menschen.

Es läuft nicht alles schön an Orten, an denen menschen in „precarious situations“ bzw. proletarischer situation ohne die hier und da (hierzulande in vielen lohnarbeitsverhältnissen) noch übliche „distinktive bestechung“5 letzlich zusammengepfercht werden, seien es flüchtlingslager, wohnblocks, knäste, „asi-hochhäuser“3, an anderen orten im übrigen ja auch nicht.
anstatt aber das zusammenpferchen eines selbst und „der anderen“ als problem zu begreifen sowie sich mit schutzsuchenden menschen zu solidarisieren möchte manch deutscher prolet (proletariat bedeutet dem wortsinne nach nichts zu haben, außer gegebenenfalls die eigenen nachkommen) lieber “nach unten” treten, auf die aus anderen ländern stammenden eigenen klassengenossInnen, tut damit der eigenen sache unheil und zeigt sich als vom menschlichen gefühl verlassener.

Ansonsten ist ein existierendes denkmuster, welches e.t. dankend aufgreift, ein hauptproblem (auch bei dem deutschen „griechenlanddiskurs“): irgendwo steht geschrieben, dass diese und jene sich mehr rausnehmen und ohne zu prüfen ob das überhaupt stimmt4, heisst es dann nicht: „wir wollen uns das auch rausnehmen“ oder „wir wollen alles!“, sondern, dass es den anderen mindestens ebenso scheisse ergehen soll wie einem selbst auf arbeit, auf dem amt, bei der steuer usw.

deshalb gilt es:

– für die weltweite proletarische revolution zur selbst-aufhebung der eigenen und aller klassen!

– extra-tip lesen!

  1. Zur möglichen progressiven rolle des arbeitszeitgesetzes: www.proletarische-plattform.org/app/download/5969608164/Flugblatt_Gesetzliche+40-Stunden-Woche+2015-05-01.pdf?t=1430740205 http://www.proletarische-plattform.org/2012/11/30/verk%C3%BCrzung-der-normalarbeitszeit/ [zurück]
  2. http://lokalo24.de/news/neues-gesetz-gastronomie-stoehnt/568399/ , der zugehörige gehässige kommentar, in dem darauf abgehoben wird als arbeiterIn wegen ein paar minuten nicht pingelig zu sein, findet sich nur in der printausgabe. Weitere anmerkung: die ganzen e.t.-„ausfälle“ werden hier größtenteils aus dem gedächtnis rekapituliert, bei Interesse finden sich evtl. noch printexemplare der schlimmsten hasstiraden in meinem besitz /diese müsste ich suchen. [zurück]
  3. siehe der erhellende text von hammerhead – „asi-hochhaus“: www.youtube.com/watch?v=E4if1Is7PxQ [zurück]
  4. z.b. in der als Massenzeitung konzipierten Flugschrift „Faktencheck Hellas“: http://faktencheckhellas.org/ [zurück]
  5. Distinktion bedeutet soviel wie Unterscheidung. Unterschiede etwa in der bezahlung, der spezialisierung oder dem sich-leisten-können von statussymbolen können zur folge haben, dass sich leute nicht als proleten begreifen, sondern als angehörige des phantoms mittelklasse. [zurück]

1 Antwort auf „Lest den „Extra Tip“!“


  1. 1 ulf 28. August 2015 um 4:29 Uhr

    Auch die HNA (gehört übrigens zum gleichen Unternehmen wie et) hat in den letzten Wochen noch mehrmals nachgelegt und veröffentlichte in staatsschutzmanier aus nicht geringer distanz geschossene photographien vom friedrichsplatz.
    In den Kommentaren zu solchen Artikeln wurde von vernünftigen Menschen auch bereits angemerkt, dass einige Leute von ihren SubstitutionsärztInnen auf diesen Photographien erkannt wurden und „Ärger“ bekamen.

    Bleibt eigentlich nur noch die Frage, wo z.B. Ulrike-Pflüger-Scherb (welche die den photoserien zugehörigen zeitungsartikel verfasst hat) ihr „bierchen“, „weinchen“, whatever,… trinkt und ob sie dabei auch mit papparazi rechnen muss.

    Ansonsten hier noch der Link zu einer Website, die die nordhessische Presselandschaft ab und an begleitet: http://lokalzeitungskritik.de/ (wird betrieben von jemandem, der auch schonmal artikel in der hna verfasst hat)

    U.a. ist dort zu lesen, dass im Jahr 2014 der Redaktionsleiter eines et-Zweigblattes (Lokalausgabe) deshalb gekündigt wurde, weil er den Bericht zu einer 1. Mai-Demonstration ausgerechnet mit einem Bild illustrierte, auf dem mittels einem Plakat gefordert wurde, den Mindestlohn auch für ZeitungszustellerInnen gelten zu lassen: http://lokalzeitungskritik.de/sie-duerfen-nichts-gegen-grosskunden-schreiben/
    Und die Gewerkschaft ver.di schildert demnach in einem Bericht über den anschliessenden Arbeitsgerichtsprozess folgendermassen die Argumentation der „Arbeitgeber“seite:
    „Der Verlag beschäftige selbst Zeitungszusteller. Auf der verlagseigenen Homepage für deren Mindestlohn zu werben, hielte man für »grob illoyal«. Der Kläger solle mal nicht so tun, als arbeite er bei der FAZ: »Sie dürfen nicht schreiben, was Sie wollen, Sie dürfen nichts gegen Edeka und andere Großkunden schreiben«, so der Ippen-Anwalt.“

    so long, …

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


drei × = fünfzehn