Das Stadtteilmanagement in Kassel lässt seine Maske zur Kenntlichkeit fallen

Die Stadt des Kapitals leistet sich ein „Stadtteilmanagement“, welches sie offenherzig auch genauso nennt.
Für gewöhnlich werden in diesem Rahmen, finanziert durch Gelder der Bundesregierung und der EU (Programm „Soziale Stadt“ usw.), Funktionen übernommen, die erst einmal nett und sinnvoll wirken: finanzielle Förderung urbaner Gärten, Beratungsangebote für Menschen in „schwierigen Lebenslagen“ (Erwerbslosigkeit, Alkoholzuspruch,…), Deutschkurse undsoweiter undsofort.
Ab und an fällt jedoch diese „nette“ Maske und ein wesentlicher Zweck des Manövers wird kenntlich, die Aufrechterhaltung der Ordnung des Kapitals, Einhegung potentieller Selbstorganisation:

In der zweiten Ausgabe des Stadtteilblatts ECHO für Rothenditmold konnte sich auch die Rothe Ecke mit einem Artikel vorstellen. Der ECHO zeigt die ganze Breite des Angebots in Rothenditmold: Stadtteilarchiv, Vorstellung des Erzählcafé im Heilhaus, Bericht über das Stadtteilmanagement… und diesmal eben auch die Rothe Ecke. Für die Stadt war dies nun der Anlass die vorher zugesagte Druckkostenzusage zurückzuziehen, weil in unserem Artikel stand, dass „wir es satt haben auf dem Jobcenter schikaniert zu werden“. Der ECHO hat daraufhin der Stadt geschrieben und diesen Eingriff in die Pressefreiheit kritisiert und auch uns zu einer Stellungnahme aufgefordert. Nicht genug: Am Samstag, den 13.05., beim Flohmarkt in der Engelhardstraße, der zudem ganzseitig auf der Rückseite des ECHO beworben worden ist, wurde sogar untersagt den ECHO zu verteilen.

Wir empfinden den Rückzug der Stadt als Schikane, mit dem versucht wird, Einfluss auf die zukünftige Berichterstattung zu nehmen und unabhängigen Initiativen Steine in den Weg zu legen. In unseren Augen zeigt es auch, wie wenig die Belange der Menschen hier in unserem Stadtteil ernst genommen werden.

Quelle

Ironischerweise wurde ein paar Wochen zuvor kurz vor der Oberbürgermeisterwahl im ebenfalls Kassel zugehörigem Stadtteil Wesertor ein ähnliches Infoblatt des Stadtteilmanagements freihaus verteilt, dessen erste Seite ein Grußwort des damaligen Stadtkämmerers zierte, seines Zeichens aussichtsreichster und dann auch gewinnender OB-Kandidat (von der spezialdemokratischen Partei), ähnliche Aktionen haben in anderen Städten schon zu erfolgreichen Wahlanfechtungen geführt.

Weiterhin interessant am Komplex des Stadtteilmanagements in Kassel ist, dass die Stadt in den letzten Jahren zwei neue „Stadtteilzentren“ errichtet hat. Diese befinden sich jeweils in direkter Nähe zu evangelischen Kirchengemeinden, mit denen sie eine Symbiose bilden. Die offizielle Stadtteilarbeit wird somit genutzt, Hilfe und Solidarität suchende Menschen einer schwächelnden Kraft der alten Welt zuzuführen.


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