weiteres…

… das Paralleluniversuim der Arbeitswelt betreffend:

-Unter erneuter Mißachtung des ZK-Beschlusses zur Nichtveröffentlichung universitärer Geschichten wird hiermit eine weitere online gestellt. zu lesen unter diesem link zum download oder neu! hier als pdf-datei.
Wie bei universitären Geschichten üblich, kommen um Wissenschaftlichkeit bemühte wie auch steile Thesen vor.
Das Thema dürfte gleichwohl von Interesse sein.
Es geht um maßgeblich durch die damaligen GastarbeiterInnen geprägte wilde Streiks in der Bundesrepublik Deutschland am Anfang der 1970er Jahre und um die Frage, was sich geändert hat, als dass wir solche heute hierzulande nicht mehr als massenhaftes Phänomen vorfinden.

-In diesem Zusammenhang der Hinweis auf eine Veranstaltung am 11. Juli in Kassel, welche der Thematik verwandte Fragestellungen behandelt, nämlich die „Betriebsintervention“ linker Gruppen in den 1970er Jahren.

-Einblicke darüber, wie es heute um Widerstand und Anpassung in der Arbeitswelt bestellt ist, kann vielleicht diese Veranstaltung am heutigen Abend bieten.

lesehinweise zur situation in griechenland

folgend sind einige texte verlinkt, die sich mit der lage in griechenland befassen und kritik an antisozialer gewalt, nationalistischer regression sowie illusionen in eine reformistische option üben. ob letztere in der jetzigen situation einer globalen durchsetzung kapitalistischer wirtschaftsweise überhaupt noch besteht ist ja in der tat ein springender punkt. die enttäuschung derartiger illusionen birgt die gefahr einer weiteren stärkung reaktionärer tendenzen.

„…wenn wir wirklich etwas Neues entwickeln wollen, müssen wir vollständig mit der Linken brechen“ Interview der Gruppe Internationaler SozialistInnen mit GenossInnen aus Griechenland

„Es gibt eine Alternative zu den Kürzungsprogrammen des Kapitalismus: Organisieren wir den Widerstand!“

„Die Krise in Griechenland dient der Unterordnung unter nationale Interessen und ist vor allem eine Krise des historischen Gedächtnisses“

.

es funktioniert ein großteil der links zu musik(videos) nicht mehr, was sehr schade ist.

Bürgerbegehren zum Erhalt des Langen Feldes in Kassel

Link zur offiziellen Seite des Bürgerbegehrens
Es kann jeder Mensch unterschreiben, der/die in Kassel zur Kommunalwahl wahlberechtigt ist (also auch EU-BürgerInnen); bei 15.000 Unterschriften gibt es einen Bürgerentscheid.

Worum geht es ?

Die Stadt Kassel möchte ein neues Gewerbegebiet ausweisen, dafür plädiert u.a. die ehemalige Arbeiter(innen)partei SPD. Im Grunde ist das Vorhaben mit einer Spiegelung des kapitalistischen Konkurrenzprinzips auf die Ebene der Kommunen zu beschreiben:
geht es doch darum, möglichst mehr Steuern und Kaufkrafteffekte (und: „Schaffung von Arbeitsplätzen“) als die Nachbarkommune zu erzielen.
Nun hat dieses Lange Feld allerdings wichtigere Funktionen als die ihm in der kommunalen Standortkonkurrenz zugedachten. So weist ein Gutachten auf die zentrale Funktion für die Frischluftzufuhr der in einem Talkessel gelegenen Stadt Kassel hin.
Und was die „Standortfestigkeit“ betrifft, als ein Beispiel: Das rumänische Nokia-Werk, welches 2007 dasjenige in Bochum ersetzte, schliesst demnächst seine Pforten um auf den asiatischen Markt zu verlagern.

die länger nicht mehr aktualisierte Homepage der BI Langes Feld.

geklaut …

… von einer universitären geschichte ist der folgende text.
also, es handelt sich um ein universitäres referat, dem seine vorgaben wie auch die erwartungen auf erfüllung der pflichtleistung anzumerken sind, es sei gleichwohl hier zur diskussion gestellt:

Unterentwicklung: selbst- oder fremdverschuldet ? *

Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über verschiedene Erklärungsansätze zur Unterentwicklung der Länder der sog. „3. Welt“ gegeben werden.

Der Begriff „Entwicklung“

Es lohnt sich zunächst, einen Blick auf die Herkunft des Begriffs „Entwicklung“ zu werfen.
Das Wort, das erstmals 1645 im dt. Sprachraum vorkommt, leitet sich ab vom lat. evolutio (ursprünglich: das Auseinanderwickeln von Schriftrollen) sowie dem frz. développer, welches das Abnehmen der enveloppe (Umwickelung) bezeichnet.
Es geht um die Ent-Wickelung eines im eingewickelten Zustand bereits keimförmig angelegten Zustandes, wofür auch die Verwendung im Bereich der Biologie Mitte des 18. Jh. spricht: Entwicklung/Evolution als Begriffe für die Theorie, die davon ausging, dass das Individuum im embryonalen Zustand zwar verkleinert, aber bereits vollständig ausdifferenziert vorhanden ist. 1
Der Begriff „Unterentwicklung“ braucht zu seiner Erklärung den Vergleich mit einem entwickelten Zustand. In vielen (Unter-)Entwicklungstheorien wird hier die westliche „Wohlstandsgesellschaft“ als der anzustrebende Zustand gesetzt, wobei die ideologischen Selbstzuschreibungen der westlichen Gesellschaften teilweise unhinterfragt für bare Münze genommen werden.2

Kolonisation

Kernpunkte des Kolonialismus waren die günstige Versorgung der Industrieländer mit mineralischen und agrarischen Rohstoffen sowie die Gewinnung von Absatzmärkten für die Produkte der eigenen Industrie.
Resultate sind der Entzug von immensen Werten, das Anlegen von Monokulturen für Exportprodukte, Zerstörung einheimischer Industrie und traditionellen Handwerks.** Auch in post-kolonialen Zeiten besteht eine weltweite Arbeitsteilung fort, die sich in der Zeit des Kolonialismus etabliert hat und wichtige Produktionsmittel verbleiben in der Hand ausländischen Kapitals.3
V. a. im Falle Afrikas kommt noch der schon drei Jahrhunderte vor Beginn des Kolonialismus währende Sklavenhandel hinzu: nüchtern betrachtet handelt es sich hierbei um den jahrelangen Entzug der wertvollsten menschlichen Ressourcen.4

(Unter-)Entwicklungstheorien

Dem Postulat des britischen Nationalökonomen David Ricardo (1772-1823) folgend, zwischenstaatlicher Handel biete immer Vorteile für beide Seiten (Austausch von Produkten, deren Herstellung im jeweils anderen Land zu besseren Bedingungen möglich ist aus Kosten- oder einfachen Vorkommensgründen), sehen Freihandelstheoretiker das Hauptproblem darin, dass (z.B. durch Steuern und Zölle) ein wirklicher freier Handel eben nicht gegeben sei.5 In der Tat spielen ja auch bspw. die EU-Agrarsubventionen eine marktverzerrende Rolle, in dem sie eigentlich in den Herstellungskosten teurere Produkte durch Eingriffe des Staates vergünstigen.

Dependenztheorien: Der US-amerikanische Ökonom Paul A. Baran (1910-1964) geht davon aus, dass das gewaltsame Eindringen des westlichen Kapitalismus mit dem Resultat der Vermischung vorkapitalistischer und kapitalistischer Wirtschaftsformen bei gleichzeitigem Niedergang der nichteuropäischen Kultur und Wissenschaft eine minderwertige und ungerechte Gesellschaftsform hervorruft, die keine dem europäischen Kapitalismus vergleichbare Wachstums- und Entwicklungsdynamik auszulösen vermag.6
Die zentrale These der von lateinamerikanischen Dependenztheoretikern weiterentwickelten Theorie besagt, dass die Unterentwicklung im Trikont (die drei unterentwickelten Kontinente) keine etwa der prä-modernen Phase in Europa vergleichbare frühe Etappe der historischen Evolution sei, sondern Entwicklung und Unterentwicklung vielmehr zwei Seiten eines einzigen historischen Vorgangs bildeten. Rückständigkeit und Unterentwicklung sind demnach von außen verursacht, erhalten aber ihre besondere Ausprägung durch interne Momente.7

endogene Faktoren

Ein früher Erklärungsversuch für Unterentwicklung bestand in der Betonung der Auswirkungen des Klimas: Temperaturverhältnisse und üppige Vegetation insbesondere in den Subtropen würden die Voraussetzungen für relativ mühelose Befriedigung der Grundbedürfnisse liefern, so dass überschüssige Energie die ersten Hochkulturen hervorbringen konnte. Es böten sich jedoch nur wenige Anreize zur Steigerung der Naturbeherrschung durch Weiterentwicklung der Technologie. Weiterhin verhindere die Belastung des menschlichen Organismus durch das Klima die Entwicklung der Fähigkeit zu harter, belastender Arbeit.8
Zu sagen, welchen Weg die nichteuropäischen Gesellschaften ohne die Zäsur der Kolonisation genommen hätten, wäre Kaffeesatzleserei. Man kann jedoch die Frage stellen, weshalb der europäische Expansionismus erfolgreich war und nicht die außereuropäischen Gesellschaften. So haben ja in der Vergangenheit in vielen heute unterentwickelten Regionen Gesellschaftssysteme existiert, deren kulturelles und zivilisatorisches Niveau dem zur gleichen Zeit in Europa anzutreffenden in keiner Weise nachstand. Erklärungsansätze finden sich in der Untersuchung der nichteuropäischen Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme. Der sogenannten Asiatischen Produktionsweise (Begriff durch Marx geprägt, später Weiterentwicklung und Anwendung auch auf außerasiatische Gesellschaften, z.B. das Inkareich) innewohnende Faktoren versperren dem Autoren Reinhart Kössler zufolge den Übergang zum Kapitalismus aus eigener Kraft. Diese Gesellschaften, die durch dörfliches Gemeineigentum am Boden und als antagonistische Klasse einer staatlichen Bürokratie, die sich durch direkte Steuern finanziert geprägt sind und in denen häufig die Bewässerungslandwirtschaft eine herausragende Rolle spielt, durchlaufen einen sog. dynastischen Zyklus, in dem die Ausbreitung von Privateigentum zur Schwächung des Staates und Steuererhöhung für die verbliebenen auf öffentlichem Grund befindlichen Bauern führt. Daraus resultieren Unmut und schließlich Umsturz, so dass der Zyklus mit allgemeinem Gemeineigentum und Neubesetzung der staatlichen Ämter neu beginnt.9
Weiterhin wären unterschiedliche Wertesysteme zu nennen. Analog zur von Max Weber in Europa hervorgehobenen Bedeutung der Herausbildung einer kapitalistischen (Arbeits-)Ethik für die Entwicklung der Produktionsverhältnisse, existier(t)en in anderen Weltgegenden Wertesysteme, die auch in der Zeit der Kolonisation fortbestanden und der hereinbrechenden westlichen Arbeitsethik passiven Widerstand entgegensetzten. So hat der niederländische Kolonialbeamte Julius Herman Boeke (1884-1956) in seinem Dualismus-Konzept die Unterentwicklung als Resultat des passiven Widerstands der vorkapitalistischen Verhältnisse beschrieben. Dualismus meint hier das Nebeneinander von vom Kolonialismus importierten in begrenztem Bereich durchgesetzten kapitalistischem System und dem einheimischen System der Dorfgemeinschaft, die nach gänzlich verschiedenen Prinzipien funktionierten. So sei die Dorfgemeinschaft kein expansives System, es herrsche vielmehr Genügsamkeit, was dazu führe, dass zum Beispiel bei steigenden Preisen weniger angebaut werde.10

heutige Situation

Heute hat sich die weltweite Arbeitsteilung weiter ausdifferenziert, gerade nach der Teilung der Welt durch den „Eisernen Vorhang“ sind immer mehr Weltgegenden Teil der internationalen Produktion. Teilweise Deindustrialisierung in der westlichen Welt11 geht einher mit der Verlagerung der Produktion vor allem in die Schwellenländer, wo billiger produziert werden kann. Die dem Kapitalismus innewohnende Fähigkeit zur Entfaltung der Produktivkräfte geht nicht mit einer allgemeinen Hebung des Lebensstandards einher. Die schnellere (Massen-)Produktion bedeutet zwar mehr Reichtümer, aber auch mehr Menschen, die im Produktionsprozess nicht mehr benötigt werden: „es wird vor vollen Lagerhäusern gehungert.“12
Gleichzeitig sind die Entwicklungsländer in besonderem Maß von den Folgen des Klimawandels betroffen, die jahrelange Ausrichtung auf monokulturellen Anbau von agrikulturellen Exportgütern zeitigt Probleme in der Wasserversorgung und begünstigt(e) die Abholzung der natürlichen Wälder.

Fazit

Möchte man die historische Genese der unterschiedlichen Entwicklungsniveaus in den verschiedenen Weltgegenden verstehen, so kommt man an einer Beschäftigung mit den hier dargestellten Theorien nicht vorbei.
Bei dem heutigen Stand der weltweiten Arbeitsteilung und der Entwicklung der Produktivkräfte ist jedoch mittlerweile eine Befriedigung der elementaren Bedürfnisse weltweit längst möglich geworden. Dieser im Weg steht eine notwendigerweise durch Konkurrenz gekennzeichnete Wirtschaftsweise, die einerseits zur enormen Steigerung der Produktivkräfte beigetragen hat, andererseits zu zyklischen Krisen führt und insbesondere auch in ökologischer Hinsicht bedrohliche Destruktivkräfte entwickelt hat. Richtschnur des Wirtschaftens sind nicht zuvorderst die Bedürfnisse der Menschen, sondern die Realisierung von Werten. Diejenigen Menschen, die im (Re-)Produktionsprozess weder als Arbeitskraft(reserve) noch als kaufkräftiger Kunde benötigt werden, bilden die Basis der vor allem im Süden konzentrierten Elendssiedlungen.
Gleichzeitig gibt es jedoch auch hoffnungsvolle Entwicklungen: Die Verlagerung der Produktion in die sog. Schwellenländer führt dort zu einem Anwachsen der ArbeiterInnenklasse. Regelmäßige wilde Streiks zum Beispiel in China13 und ambivalente Reaktionen darauf (staatliche Niederschlagung und mediale Zensur, aber auch Zugeständnisse der Konzerne) zeugen von der Steigerung ihrer Durchsetzungsmacht und lassen OptimistInnen auf die Herausbildung einer antagonistischen WeltarbeiterInnenklasse hoffen.
Letzlich ist festzustellen, dass die heute bestehende Unterentwicklung (im Sinne des Ausschlusses der „Überflüssigen“ v.a. –aber nicht nur- im Trikont) Symptom der inneren Widersprüche der kapitalistischen Wirtschaftsweise ist und im Rahmen dieser höchstens zu mildern, jedoch nicht zu beenden ist.

  1. Geiger, W./Mansilla, H.C.F. (1983): „Unterentwicklung. Theorien und Strategien zu ihrer Überwindung“; Frankfurt am Main: Verlag Moritz Diesterweg, S. 33 [zurück]
  2. ebd., S. 23, 38 [zurück]
  3. ebd. S. 14 ff. [zurück]
  4. ebd. S. 15 f. [zurück]
  5. ebd. S.50 f. [zurück]
  6. ebd. S. 95 f. [zurück]
  7. ebd. S. 97 f. [zurück]
  8. ebd. S. 43 [zurück]
  9. Wikipedia: Asiatische Produktionsweise. http://de.wikipedia.org/wiki/Asiatische_Produktionsweise ; es wird dort Bezug genommen auf Kössler, Reinhart (1982): „Dritte Internationale und Bauernrevolution“ ; Frankfurt am Main: Campus Verlag [zurück]
  10. Geiger/Mansilla S. 57 f. [zurück]
  11. Siehe z.B. Jerry White: „Deindustrialization, the UAW and the Decline of Detroit“. World Socialist Website vom 25. 03. 2009 http://www.wsws.org/articles/2010/mar2010/whit-m25.shtml [zurück]
  12. „Leserbrief: Warum sind viele Menschen in den Entwicklungsländern arm?“ in: Gegenstandpunkt 4/2003. http://www.gegenstandpunkt.com/gs/03/4/larmut.htm [zurück]
  13. siehe bspw. Wilcat (o.J.): „Streiks in China“. http://www.wildcat-www.de/aktuell/a080_china_streiks.htm [zurück]
  14. *der vorgegebene referatstitel

** die Zerstörung traditionellen Handwerks ist natürlich kein eigenes Spezifikum der Kolonisation, sondern überall auf der Welt Folge der Weiterentwicklung der Produktivkräfte.